Rasiermesser

Die Verwendung eines Rasiermessers zur Nassrasur ist eine Entscheidung, welche man(n) bewusst treffen sollte. Denn die Rasur mit einem Rasiermesser ist an sich kein notwendiges Übel in der täglichen Körperpflege, vielmehr soll es eine gut durchdachte Entscheidung sein, Entschleunigung und Individualität den Vortritt gegenüber Alltagshektik und X-Beliebigkeit zu geben.

In diesem Beitrag findest du weiterführende Informationen zum Rasiermesser im Allgemeinen, einzelne Punkte lassen sich über das nachfolgende Inhaltsverzeichnis direkt auswählen. Der Beitrag wird zudem von Zeit zu Zeit mit neuen Informationen, welche ich aufschnappe ergänzt.

Das Rasiermesser näher betrachtet

Bis in die 1950er Jahre war das Rasiermesser die erste Wahl, wenn es darum ging den eigenen Bart zu stutzen und in Form zu halten. Nach und nach wurde es allerdings durch Systemrasierer und Rasierhobel abgelöst. Heutzutage ist eine erneute Trendwende zu betrachten, Männer aller Altersklassen entscheiden sich wieder für eine bewusste Form der Rasur, nehmen sich Zeit dafür und schaffen ihr eigenes Ritual. Im Mittelpunkt einer solchen Nassrasur steht in den meisten Fällen das Rasiermesser.

Rasiermesser_Holz_DIY

Dieses sehr scharfe Messer wird in den meisten Fällen bei der sogenannten Nassrasur verwendet, in seltenen Fällen auch für die Trockenrasur. Betrachtet man das Messer, wirkt es auf den ersten Blick so, als ob es nur aus zwei Teilen besteht: einer länglichen Stahlklinge sowie einem dazugehörigen Griff. Bei der späteren Betrachtung des Aufbaus eines Rasiermessers wird jedoch ersichtlich, dass es weit mehr Details zu entdecken gibt, als auf den ersten Blick ersichtlich sind.

Die Klinge des Rasiermessers ist in den meisten Fällen aus nicht rostfreiem Kohlenstoffstahl gefertigt und hohl geschliffen. Beim Griff greifen die Hersteller der Messer auf verschiedenste Materialien zurück. So kann für diesen unter anderem Holz, Perlmutt, Horn oder auch Kunststoff verwendet werden. Wird das Messer nicht benutzt, kann die scharfe Klinge, beispielsweise für Lagerung und Transport, in den Griff eingeklappt werden.

„Die Verwendung eines Rasiermessers ist die bewusste Entscheidung, Entschleunigung und Individualität den Vortritt gegenüber Alltagshektik und X-Beliebigkeit zu geben.“

Diese Bauart der Rasiermesser prägten vor allem im 19. Jahrhundert die „Goldene Ära“ des Rasiermessers, aber auch heutzutage kommen die Messer bei professionellen Barbieren zum Einsatz sowie vermehrt im privaten Bereich. Hier auf Mr. Moustache taste ich mich ebenfalls Schritt für Schritt an die Verwendung eines Rasiermessers zur Nassrasur ran und lasse dich an meinen Erfahrungen teilhaben.

Neben dem Stylefaktor und vor allem der Gründlichkeit beim Rasieren überzeugen Rasiermesser dadurch, dass nach deren Anschaffung keine weiteren Kosten für Wechselklingen anfallen. Dies ist beispielsweise bei Rasierhobeln und Systemrasieren der Fall. Abgrenzen muss man hier allerdings noch die sogenannte Shavette, bei dieser handelt es sich um ein Rasiermesser mit Wechselklinge. Weiterhin gilt das Kamisori abzugrenzen, bei diesem handelt es sich um ein traditionelles japanisches Messer, dessen etwas kürzere Klinge und Griff aus einem Stück geschmiedet sind.

Ganz ohne Pflege und Instandhaltung geht es dann aber doch nicht. So muss die Klinge vor jeder Rasur auf einem Streich-/ Lederriemen abgeledert und in regelmäßigen Abständen nachgeschliffen werden, um die Schärfe der Schneide zu erhalten.

Aufbau eines Rasiermessers

Nachdem wir nun gemeinsam die Herkunft, die Vorzüge und den groben Aufbau eines Rasiermessers betrachtet haben, möchte ich gerne ein wenig genauer auf den Aufbau dieses Messer für die Nassrasur eingehen. Hierfür habe ich mich bei einem Foto aus dem Rasiermesser Wikipedia-Artikel bedient, da man dort, meiner Meinung nach, sämtliche Details eines solchen gut erkennen kann.

Aufbau eines Rasiermessers

Betrachtet man ein klassisches Rasiermesser fällt einem auf, dass dies grundsätzlich aus der Klinge und dem dazugehörigen Griff besteht. Beide Teile sind miteinander verbunden. Ein Stift verbindet die Klinge in ihrem Schaft mit der Griffschale. Das tragende Stück zwischen Klinge und Griffschale wird auch als „Erl“ bezeichnet und läuft in die Angel aus. Hierbei handelt es sich, um eine sogenannte Fingerhohlung, welche das Aufklappen des Rasiermessers vereinfachen und während dem Rasieren einem Finger Halt bieten soll.

Viele Hersteller nutzen die Möglichkeit, um auf dem Schaft des Messers ihr Logo, entweder als Stempel oder als Gravur, aufzubringen. Was man bei einigen Messern auch sieht sind Einkerbungen, welche sowohl auf Ober- als auch Unterseite des Schafts eingebracht wurden, diese dienen dazu, dass man beim Rasieren nicht verrutscht.

„Eine Faustregel sagt: je hohler der Schliff, desto hochwertiger das Messer.“

Wie wir bereits zu Beginn des Beitrags gelernt haben, besteht die Klinge des Messers aus einem besonders schnitthaltigem Kohlenstoffstahl, in seltenen Fällen aus rostfreiem Edelstahl. Üblicherweise ist die Klinge mit einem Hohlschliff versehen und von den Rasiermesserherstellern auf Hochglanz poliert. Wie schon beim Schaft nutzen auch hier die Hersteller die Möglichkeit ihr Logo, die Serien- oder Herkunftsbezeichnung durch eine Ätzung einzubringen.

Betrachtet man das Rasiermesser direkt von oben sieht man ganz gut die Aufteilung der Klinge in Rücken (obere Kante) und Schneide (untere Kante). Das Ende der Klinge läuft in den sogenannten Kopf aus, welcher unterschiedliche Formen aufweisen kann:

  • Gradkopf – Hier läuft der Kopf der Klinge an beiden Enden rechtwinklig aus. Durch diese Form des Kopfes bekommt man beim Rasieren eine präzisiere Konturführung hin. Durch eine unsachgemäße Handhabung des Rasiermessers, kann dies zu Verletzungen durch die spitzen Enden führen.
  • Rundkopf – Wie der Name vermuten lässt, ist der Kopf abgerundet. Gerade für Anfänger ist dies die empfohlene Kopfform, um mit der klassischen Nassrasur zu beginnen, da durch die fehlenden spitzen Enden keine zu große Verletzungsgefahr besteht.
  • Französischer Kopf – hier läuft der Kopf in einem Viertelkreis aus, welcher sich zum Klingenende hin zuspitzt. Die Konturführung ist ähnlich präzise wie beim Gradkopf. Das Verletzungsrisiko ist durch die fehlenden, spitzen Kanten geringer.
  • Spanischer Kopf – im Gegensatz zum Rundkopf ist der Kopf der Klinge nicht nach außen abgerundet, sondern besitzt einen leichten Radius nach innen, was wiederum die Konturführung erleichtern soll.

Der Klingenkörper mit festem Messer ist durch zwei bis drei Metallstifte mit der Griff-/ Heftschale verbunden. Diese Schale besteht üblicherweise aus Kunststoff, Holz, Perlmutt oder Horn, in seltenen Fällen auch aus exotischeren Stoffen wie Mammutelfenbein. Eine Verwendung von hochwertigeren Materialien schlägt sich meist im Preis des Rasiermessers nieder. Es gilt also: je hochwertige das Material der Griffschale, desto teurer ist das Rasiermesser.

Rasur mit einem Rasiermesser

Die Rasur mit einem Rasiermesser ist sicherlich kein Buch mit sieben Siegeln, in ein paar Sätzen ist diese dennoch nicht abgehandelt. Daher möchte ich auf diese hier nicht näher eingehen, sondern dem Thema wie rasiere ich mich mit einem Rasiermesser einen eigenen Beitrag widmen.

„I shave every day with an ancient manual razor. It was my father’s, and I love it.“ – Brunello Cucinelli

Vor- und Nachteile des Rasiermessers

Einiges konnten wir über das Rasiermesser und dessen Einsatz bei der Nassrasur bereits erfahren. Wer kurz und knackig die Vor- und Nachteile beim Einsatz eines Rasiermessers sehen möchte, der kann diese nachfolgend betrachten. Jedoch möchte ich anmerken, dass es sicherlich noch weitere Punkte gibt, welche mit aufgenommen werden können, daher kannst du mir gerne eine Nachricht schreiben, wenn dir auffällt, dass etwas fehlt.

Wacker_Rasiermesser_auf_Streichriemen_Leder

Vorteile bei der Rasur mit einem Rasiermesser

  • Gründlicher geht es fast nicht. Wenn man(n) erst einmal gelernt hat sich richtig mit einem Rasiermesser zu rasieren, wird er nichts mehr anderes wollen. Denn im Gegensatz zur Trockenrasur erzielt man bei der Nassrasur mit dem Messer eine wirklich glatte, reine Haut.
  • Rasiermesser verursachen keine Folgekosten und haben eine enorm lange Lebensdauer, wenn man es entsprechend pflegt. So kann ein gepflegtes und unfallfreies Rasiermesser durchaus über mehrere Generationen hinweg weitervererbt und genutzt werden.
  • Unabhängig von Strom, Akkus und Co. ist man mit dem Rasiermesser definitiv. Und auch die Reinigung geht um einiges schneller und einfacher.
  • Eine Rasur mit dem Rasiermesser ist nicht nur eine Rasur, sondern ein richtiges Rasur-Ritual. Sprich, du nimmst dir bewusst Zeit für ein wenig Entschleunigung vom Alltag und lässt diesen für einen kurzen Moment hinter dir.
  • Beim Rasieren mit einem solchen Messer hast du die wunderbare Möglichkeit die Kontur des Bartes äußerst genau zu formen. Dies geht mit einem Trockenrasierer nicht.

Nachteile bei der Rasur mit einem Rasiermesser

  • Zeit spielt eine große Rolle bei der Rasur mit einem Rasiermesser. Im Gegensatz zur Trockenrasur reicht es hier nicht den Rasierer vom Strom zu nehmen, diesen anzuschalten und loszulegen. Bei der Nassrasur benötigt man Zeit für die Vorbehandlung der Haut, die eigentliche Rasur sowie die nachträgliche Pflege der Haut – es dauert eben ein wenig länger.
  • Rasieren will gelernt sein und auch dies benötigt seine Zeit. Wie die Rasur an sich bereits mehr Zeit als eine Trockenrasur benötigt, benötigt auch das Erlernen des Umgangs mit dem Rasiermesser seine Zeit. Von heute auf morgen hat noch niemand den richtigen Umgang mit einem solchen Messer erlernt. Daher ruhig Blut und langsam herantasten, um die Rasur mit dem Rasiermesser zu lernen.
  • Es wird schlechter bevor es besser wird. Davon kannst du definitiv ausgehen, denn gerade in der Lernphase wird das Ergebnis der Rasur erst einmal schlechter als mit einem Trockenrasierer aussehen. Aber keine Sorge, mit steigender Erfahrung und ausreichend Übung möchte man sich bald nicht mehr anders, als mit dem Rasiermesser rasieren.
  • Aufpassen! Sonst verletzt du dich. Wer sich mit einer scharfen Klinge rasiert, dem sollte klar sein, dass eine entsprechende Verletzungsgefahr besteht. Wenn du dich allerdings langsam herantastest und das Rasiermesser mit gebührendem Respekt behandelst, sollte nicht allzu viel schief gehen.

Fazit zum Rasiermesser

Das Rasiermesser ist für dich die richtige Wahl, wenn du dir bewußt Zeit nehmen möchtest, um deinen Bart zu rasieren und in Form zu bringen. Denn du lässt dich bei dessen Benutzung nicht nur auf eine ganz neue Form der Rasur ein, sondern legst mit der ersten Nassrasur den Grundstein für dein persönliches Rasur-Ritual. Hier auf Mr. Moustache kannst du mich dabei begleiten, wie ich Schritt für Schritt die Geheimnisse der Nassrasur erkunde.
Copyright Foto: „Wacker Rasiermesser auf Streichriemen“ von Frank Schulenburg – Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons. | „Aufbau eines Rasiermessers (5/8 Klinge aus Kohlenstoffstahl mit Rundkopf)“ von Frank Schulenburg – Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons.