Rasierpinsel

Der Rasierpinsel ist ein wichtiger Teil einer erfolgreichen Nassrasur. Dieser hilft, in Verbindung mit Rasierseife oder Rasiercreme, reichhaltigen Schaum zu produzieren und diesen mit leichtem Peelingeffekt auf die Haut aufzutragen. Dadurch wird die Haut optimal für eine gelungene Rasur vorbereitet.

„Winning is like shaving – you do it every day or you wind up looking like a bum.“ – Jack Kemp

Doch Pinsel ist nicht gleich Pinsel, auch hier gibt es qualitative Unterschiede, welche bei der Auswahl des eigenen Rasierpinsels zumindest bedacht werden sollten. Nachfolgend versuche ich einen möglichst umfassenden Überblick über den Rasierpinsel zu geben, wird zukünftig sicherlich noch ergänzt.

Der Rasierpinsel – was verbirgt sich dahinter?

Neben der richtigen Rasierseife oder -creme sowie einem passenden Rasiermesser beziehungsweise Rasierhobel, ist der passende Rasierpinsel ausschlaggebend für den Erfolg einer Nassrasur. Denn mit diesem dicken, kurzstieligen Pinsel wird der Rasierschaum geschlagen und auf die Haut mit kreisenden Bewegungen aufgetragen. Hierfür ist es erforderlich, dass ein solcher Pinsel genügend Wasser aufnimmt, um einen ausreichend feuchten Schaum zu erzeugen zu können.

„Haartyp, -qualität und -menge, Fertigungsart und Griffmaterial bestimmen den Preis eines Rasierpinsels. Die Qualität des erzeugten Schaums wird allein durch Haartyp und Haarqualität entschieden.“

Bei der Herstellung von Rasierpinseln setzt man meist auf Dachshaar, als Alternative gibt es noch Pinsel mit Schweineborsten, Rosshaar oder synthetischen Fasern. Die Pinselgriffe werden in den meisten Fällen aus Kunststoffen gefertigt, außerdem auch aus Holz oder Metall. Sowohl auf Pinselköpfe als auch Pinselgriffe werde ich nachfolgend näher eingehen.

Pinselköpfe – Worauf muss man bei deren Auswahl achten?

Neben zig unterschiedlichen Griffvarianten unterscheiden sich Rasierpinsel hauptsächlich durch die Qualität der verwendeten Haare. Je nachdem welches Haar für den Pinselkopf verwendet wird steigt oder sinkt die Qualität des Pinsels. Nachfolgend siehst du einen groben Überblick über verschiedene Haarqualitäten eines Pinsels zur Nassrasur, welche nach dem Foto erläutert werden. Die verschiedenen Pinselkopfgrößen werden meist in S (19 mm), L (23 mm) und XL (25 mm) angegeben.

Rasierpinsel Qualität Pinselkopf Haare

Silberspitz/Dachszupf

Bei diesem Ausgangsmaterial für einen Pinselkopf handelt es sich um die höchste Qualitätsstufe. Silberspitz wird vor allem für handgefertigte Einzelstücke verwendet, welche durch Langlebigkeit und ausgezeichnete Gebrauchseigenschaften überzeugen. An sich ist ein Silberspitz Pinsel sehr einfach zu erkennen, denn dessen besonderes Merkmal ist die silbern schimmernde Farbe in Verbindung mit einem schwarzen Band im natürlichen Haarverlauf, dieses wird als „Spiegel“ bezeichnet.

Die Spitzen des Pinsels werden nicht beschnitten, denn diese machen den Silberspitz so wertvoll. Denn durch diese kann er besonders viel Wasser aufnehmen, was dazu beiträgt, dass der Silberspitz Rasierpinsel einen reichhaltigen Schaum erzeugt.

feines Dachshaar

Erwirbt man einen Rasierpinsel mit feinem Dachshaar kann dieser sowohl maschinell als auch von Hand gefertigt worden sein. Während der Fertigung des Pinselkopfs werden die Haare an der Spitze (Fahne) nur leicht getrimmt, um die typische Form des Pinselkopfs zu erzielen. Meist werden die Haare von Hand in Form gebracht, um deren Weichheit komplett zu erhalten.

Vergleicht man diesen mit den Haaren des Silberspitz, fällt auf, dass diese etwas fester und dunkler sind. Weiterhin nimmt dieser etwas weniger Wasser als der Pinsel der höchsten Qualitätsstufe auf.

reines Dachshaar

Ein Rasierpinsel mit einem Pinselkopf aus reinem Dachshaar wird in der Regel mithilfe entsprechender Maschinen gefertigt. Das reine Dachshaar ist flexibler als reine Borsten, auf die ich noch zu sprechen komme, im Vergleich mit feinem Dachshaar und Silberspitz besitzt das reine Dachshaar dennoch den höheren Massageeffekt, welcher bei der Rasurvorbereitung geschätzt wird. Farblich ist der reine Dachshaarpinsel von einem bräunlich-grau bis schwarz einzuordnen.

synthetische Faser

Hier handelt es sich um eine reine vegane Qualität, welche für die Fertigung des Pinsels zum Einsatz kommt. Diese wurde speziell für die Nassrasur entwickelt und ähnelt in ihrer Färbung und Weichheit dem natürlichen Haarmittel und besitzt ebenso gute Gebrauchseigenschaften. Dabei erweisen sich die Fasern als etwas robuster und eventuell noch langlebiger.

Eine Vielzahl von Anwendern bevorzugen diese Pinsel mit synthetischer Faser nicht nur aufgrund seiner veganen Eigenschaften, sondern auch deshalb, weil sich damit besonders cremiger Rasierschaum aufschlagen lässt.

reine Borste gefärbt

Pinsel mit einem Pinselkopf aus reiner Borste stammen vom Schwein, dieses Haar ist härter als Dachshaar und produziert dadurch einen sehr starken Massageeffekt. Während der Benutzt des Pinsels wird dieser weicher. Borstenpinsel sind sehr preisgünstig erhältlich und werden daher oft als Einstieg in die Nassrasur angeboten. Die Farben dieser Pinsel reichen von gelb bis weiß, ein schwarzes Imitationsband dient als Zierde.

Rasierpinsel_Betrachtung

Besonderheiten des Pinselgriffs – entscheidend für eine gelungene Rasur?

Die Größe des Rasierpinsels und das Material des Griffes sind weitgehend Geschmackssache und haben keine direkte Auswirkung auf das Rasierergebnis. Überwiegend bestehen die Griffe im Handel erhältlicher Rasierpinsel aus synthetischen Materialien wie Nylon, Micarta oder anderen Kunststoffen. Deren Vorteil ist definitiv die Widerstandsfähigkeit gegen Wasser und Bruch sowie ihre Farbbeständigkeit.

Rasierpinsel mit einem Holzgriff sind nicht automatisch schlechter als diese, allerdings können sie durch Wasser Risse entwickeln und sollten deshalb nach ihrer Verwendung kopfüber hängend, an einem gut gelüfteten Ort, aufbewahrt werden.

Metallgriffe gibt es ebenfalls am Markt, allerdings gilt bei diesen besondere Vorsicht walten zu lassen, da besonders Rasierschalen und Tiegel einfach durch diese beschädigt werden können.

Entstehung eines Rasierpinsels – so wird dieser hergestellt

Ein Rasierpinsel besteht im Wesentlichen aus zwei Bestandteilen, dem Pinselkopf und dem Griff. Betrachtet man dies allerdings ein wenig genauer fällt auf, dass sich beides aus mehreren Einzelteilen zusammensetzt. Nachfolgend versuche ich einen Einblick in die Entstehung eines Rasierpinsels zu geben – die verwendeten Fotos stammen von www.muehle-shaving.com.

Herstellung Rasierpinsel

  • Bei einem Rasierpinsel aus Dachshaar werden bis zu 20.000 Einzelhaaren zur Basis für den Pinselkopf gefügt. Dabei wird genaustens darauf geachtet, dass diese passend zur jeweiligen Ringgröße grammgenau abgewogen werden.
  • Nach dem die Haare abgewogen wurden, werden diese ausgekämmt, um eventuell querliegende Haare zu entfernen.
  • Im Anschluss werden die Haare in der sogenannten Formbüchse aufgestoßen. Bei diesem handelt es sich um einen schweren Metallzylinder mit rundem, aufgerauhtem Boden. Dieser ist auf seiner Innenseite so geformt, dass das kopfüber in die Stoßbüchse eingebrachte Haarbündel die typische Form eines Rasierpinsels annimmt. Hierzu wird der Metallzylinder solange auf die Arbeitsfläche aufgestoßen, bis die gewünschte Kontur erreicht ist.

Rasierpinsel Herstellung

  • Der Pinselkopf besitzt nun seine spätere Form und wird, bevor er der Formbüchse entnommen wird, mit einem Faden festgebunden. Dies reicht zur dauerhaften Fixierung allerdings nicht aus, daher wird er zusätzlich in eine Ringzwinge eingeklebt.
  • Überstehende Haare, werden am Schaft abgeschnitten, die weichen Haarspitzen des Dachshaarpinsels werden nicht weiter bearbeitet. Verständlich, denn diese sind für die großartige Qualität hochwertiger Rasierpinsel aus Dachshaar mit Silberspitzen verantwortlich.
  • Im Anschluss an das Aushärten des Klebers wird der Rasierpinsel mit seinem Griff verbunden und fertiggestellt, bevor er sich auf den Weg zu dir nach Hause machen kann.

So behält man lange Freude an seinem Rasierpinsel – Rasierpinsel Pflege

  • Der Pinsel sollte vor der ersten Rasur mit warmen Seifenwasser gründlich ausgespült werden.
  • Beim Auftragen des Schaums sollte nicht allzu fest aufgedrückt werden, ein leichter Druck reicht für dessen Massageeffekt aus.
  • Nach jedem Gebrauch sollte der Pinsel sofort unter fließendem Wasser gründlich ausgespült werden, zunächst mit warmen Wasser, dann mit kaltem Wasser.
  • Niemals scharfe Mittel wie Essig zur Reinigung verwenden, denn diese beschädigen den Pinsel, insbesondere seine Haare.
  • Der Rasierpinsel sollte eingeschäumt nie lange stehen gelassen werden, da Seifenreste das besonders feine Dachshaar angreifen und die Lebensdauer des Pinsels stark verringern.
  • Getrocknet wird der Rasierpinsel indem man das Wasser gründlich aus dem Handgelenk ausschüttelt.
  • Im Anschluss sollte dieser hängend, an einem belüfteten Ort (kein geschlossener Schrank) aufbewahrt werden. Hierfür gibt es eine Vielzahl von Pinselständern, den ein oder anderen stelle ich dir sicherlich noch hier im Blog vor.
  • Besitzt dein Rasierpinsel einen Holzgriff, dann solltest du diesen mit einem Tuch abtrocknen, damit der Griff keine Risse bekommt.

Fazit: Die Qualität des Rasierpinsels bestimmt das Ergebnis

Mit der Auswahl des richtigen Rasierpinsels bestimmt man das Ergebnis seiner Nassrasur. Denn sowohl Haartyp und Haarqualität wirken sich spürbar auf die Entstehung des Rasierschaums aus. Bevor man sich mehrere günstige Pinsel zulegt, sollte man etwas mehr Geld in die Hand nehmen und einen hochwertigen Rasierpinsel erstehen. Durch die richtige Pflege hat man lange Freude an diesem und erleichtert sich selbst die Arbeit beim Aufschlagen der Rasierseife.
Copyright Fotos: www.muehle-shaving.com | Rafiq Sarlie – Shaving brush 78/365 (Flickr)